Esparsette - eine Futterpflanze wiederentdeckt

Welche Eigenschaften haben Tannine?

Tannine sind chemisch sehr divers und kommen in vielen Pflanzen bzw. Pflanzenteilen vor. Eine Eigenschaft der Tannine ist ihre Neigung, Verbindungen mit Eiweissen einzugehen. Vermutlich sind die Tannine ein Schutzmechanismus der Pflanzen vor Frass-Feinden wie Insekten oder Säugetiere. Tannine können die Eiweissverfügbarkeit beim Verdauungsvorgang herabsetzten. Weswegen Sie früher nicht sehr gerne in den Futtermitteln gesehen wurden. Heute weiss man, dass die Tannine auch positive Eigenschaften aufweisen, insbesondere die kondensierten Tannine.

Positiver Einfluss auf Methanausstoss und schaumige Gärung

Kondensierte Tannine können den Methanausstoss von Wiederkäuern senken und die schaumige Gärung verhindern. Vermutlich erhöhen moderate bis mittlere Tannin-Konzentrationen die Versorgung des Wiederkäuers mit essentiellen Eiweissen: kondensierte Tannine gehen im Pansen komplexe Verbindungen mit Pflanzeneiweissen ein und schützen diese so vor mikrobiellem Abbau. Es wird vermutet, dass sich im Dünndarm diese Verbindungen wieder auflösen (durch Veränderung des pH-Wertes) und die wertvollen Eiweisse stehen dem Tier wieder zur Verfügung. Als mittlere Konzentration wird in der Literatur häufig ein Wert um ca. 5 % kondensierte Tannine erwähnt (Piluzza et al., 2014). Bei höheren Konzentrationen wird davon ausgegangen, dass sich kondensierte Tannine negativ auf die Eiweissverfügbarkeit auswirken. Je höher die Konzentration, desto stärker der Effekt – also eine dosis-abhängige Wirkung.

Wirksam gegen Magen-Darm-Würmer in Abhängigkeit von Konzentration und Struktur

In den unterschiedlichen Futterpflanzen liegen kondensierte Tannine oft in ganz unterschiedlichen Strukturen vor. Einige kondensierte Tannine zeigen teilweise eine Wirkung gegen Magen-Darm-Würmer, andere nicht. Manche Futterpflanzen weisen eine besonders günstige Tannin-Struktur und Tannin-Zusammensetzung hinsichtlich ihrer Aktivität gegen Magen-Darm-Würmer auf. Zu den Pflanzen mit besonders günstiger Tannin-Struktur gehört die Esparsette. Die Gesamt-Konzentration und Zusammensetzung der kondensierten Tannine variieren von Sorte zu Sorte und von Schnitt zu Schnitt (Azuhnwi et al., 2012). Die genauen Einflüsse sind nicht bekannt. Blätter und Stängel der Esparsette weisen unterschiedlich hohe Tannin-Gehalte auf: in den Stängeln kommt eher wenig, in den Blättern mehr Tannin vor. Je später der Schnitt, desto ungünstiger ist vermutlich das Blatt-Stängel-Verhältnis und desto niedriger ist die Tanninkonzentration. Im Projekt „Esparsette – eine wertvolle Futterpflanze für die Schweizer Landwirtschaft“ wird unter anderem der Frage nachgegangen, wann der optimale Erntezeitpunkt hinsichtlich Gesamt-Trockenmasseertrag, Nährstoff- und Tannin-Gehalt ist.

Das Problem mit der Tannin-Analytik

Es existieren sehr unterschiedliche Messmethoden um den Gehalt an kondensierten Tanninen in einem Futtermittel zu messen. Selbst wenn dieselbe Messmethode angewendet wird, schwanken die Tannin-Gehalte von Labor zu Labor meist beträchtlich. Deshalb sind Tannin-Gehalte nur schwer zu vergleichen. Aus diesem Grund ist es sehr schwierig bis unmöglich, allgemeingültige Aussagen einer „wirksamen“ Tanninkonzentration zu machen. Ein Beispiel: Wurden bei einer Tannin-Konzentration von z.B. 6% gewisse Erfolge hinsichtlich Magen-Darm-Würmer erzielt, kann die gleiche Konzentration, die aber in einem anderen Labor gemessen wurde, überhaupt keine Auswirkungen zeigen. Eine Standardisierung der Messmethoden ist leider nicht in Sicht.

Literatur

  • Azuhnwi, B.N., Thomann, B., Arrigo, Y., Boller, B., Hess, H.D., Kreuzer, M., Dohme-Meier, F., 2012. Ruminal dry matter and crude protein degradation kinetics of five sainfoin (Onobrychis viciifolia Scop) accessions differing in condensed tannin content and obtained from different harvests. Animal Feed Science and Technology 177, 135-143.
  • Piluzza, G., Sulas, L., Bullitta, S., 2014. Tannins in forage plants and their role in animal husbandry and environmental sustainability: a review. Grass Forage Sci. 69, 32-48.