Esparsette - eine Futterpflanze wiederentdeckt

Bisherige Erfahrungen aus Fütterungsversuchen mit Kleinwiederkäuern

Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine tatsächliche Entwurmung, also die Reduktion der sich in Schaf oder Ziege befindlichen Würmer eher schwierig zu erreichen. Dies hat mehrere Gründe: Es ist unter Praxisbedingungen relativ schwierig, eine Esparsetten-Qualität mit sehr hohem Tannin-Gehalt zu produzieren. Meist liegen die Werte doch deutlich unter den 8 %, mit denen im beschriebenen Versuch eine Reduktion der Würmer erreicht werden konnte. Grund dafür sind ein unter Praxisbedingungen meist niedrigerer Reinheitsgrad der Esparsette (je mehr Unkraut, desto geringer der Tannin-Gehalt je Einheit) und höhere Verluste im Zusammenhang mit der Konservierung. Ein weiterer und für viele wohl schwerwiegender Grund ist der relativ hohe Preis, der für in der Schweiz produzierte Esparsette gezahlt werden muss. Der relativ hohe Preis der Esparsette rechtfertigt sich aus relativ hohen Saatgutkosten, geringem Ertrag, hohen Konservierungskosten (im Fall von Heu und Pellets) und geringer Nutzungsdauer des Bestands.

Für den Fall, dass das starke Bedürfnis der Tierhalterinnen und Tierhalter besteht, weitestgehend auf Medikamente zu verzichten, ist eine Esparsettenkur ein Versuch wert. Auch für den Fall, dass auf einem Betrieb gleich mehrere Entwurmungsmittel unwirksam sind, was immer häufiger vorkommt, wäre eine Kur mit Esparsette eine Möglichkeit. In diesem Fall empfiehlt sich eine ad libitum (so viel die Tiere fressen wollen) Verabreichung von Esparsette, möglichst über mehrere Wochen. Die Esparsette ist im Gegensatz zu einem standardisierten Medikament ein natürliches Produkt mit schwankenden Inhaltsstoffen und Qualität. Zum jetzigen Zeitpunkt reicht der Wissensstand nicht aus um die Esparsette so anzuwenden, dass die Anwendung in jedem Fall erfolgreich ist.

Aus diesen Gründen haben wir im laufenden Projekt den Schwerpunkt auf präventive Massnahmen gelegt. Wir wollten herausfinden, ob mit einer Teilration Esparsette die Eiausscheidung der Würmer reduziert werden kann. Die Idee dabei ist, dass durch eine Fütterung von Esparsetten-Pellets (je nach Tier 400 – 1000g täglich), die Futterkosten gesenkt und bei parallelem Weidegang die Weiden weniger kontaminiert werden. Dies hätte zur Folge, dass beim nächsten Überweiden weniger Wurm-Larven aufgenommen werden und so die Intensität der Infektion am Ende der Weideperiode abgeschwächt würde. Für Milchschafe bzw. –ziegen ist eine solche präventive Strategie sehr geeignet So könnte morgens und abends im Melkstand pelletierte Esparsette gegeben werden. Diese Idee wurde im Sommer 2015 am Landwirtschaftszentrum in Visp in einem Versuch umgesetzt.

Gemsfarbige Gebirgsziegen erhielten über 7 Wochen statt Kraftfutter 700 g Esparsetten-Pellets täglich (siehe ausführlicher Artikel unter dem Reiter "Merkblätter, Artikel & Links"). Während der Fütterung wurden regelmässig Kotproben entnommen und auf die Anzahl von Wurm-Eiern untersucht. Tatsächlich war die Eiausscheidung der mit Esparsetten-Pellets gefütterten Ziegen um 18% reduziert. Allerdings konnte die Verringerung statistisch nicht abgesichert werden. Da Energie- und Proteingehalt der Esparsette geringer sind als die eines durchschnittlichen Kraftfutters, müsste in einem weiteren Versuch die Auswirkung z.B. auf die Milchleistung erhoben werden. Auch bei einer Pellet-Fütterung spielt der Tannin-Gehalt eine Rolle. Wenn von einer dosisabhängigen Wirkung auszugehen ist, dann entsprechen die in diesem Fall aufgenommenen 700g etwa einem Drittel der Gesamttrockenmasseaufnahme eines Tages.

Bei einem Tannin-Gehalt von 6% ist also von einer effektiven Tannin-Aufnahme von nur 2% auszugehen. Das ist für einen starken Effekt zu wenig. Die Zielsetzung von weiteren Arbeiten müsste unter Anderem also die Erhöhung der Tannin-Konzentration in konserviertem Futter bzw. in Pellets sein um den Effekt zu steigern. Bei einer effektiven Tannin-Konzentration von 4 % (Messmethode FiBL) in den Verdauungsorganen von Schaf und Ziege könnte möglicherweise von einem deutlichen Effekt auf die Eiausscheidung ausgegangen werden. Das FiBL hat eine 50-prozentige Esparsetten-Ration auf ihre Wirksamkeit gegenüber der parasitären Eiausscheidung geprüft. Es hat sich gezeigt, dass die Eiausscheidung der Esparsetten-Gruppe um ca. 1/3 tiefer lag als die der Kontrollgruppe (Abbildung 3). Der Unterschied war in diesem Fall signifikant und die effektive Tannin-Konzentration lag bei 4%. Bei der Interpretation und beim Vergleich von Tannin-Gehalten ist allerdings Vorsicht geboten. Siehe dazu den entsprechenden Artikel.